Zugewinn und latente Steuern

 

Wenn die Höhe des Zugewinnausgleichsanspruches berechnet wird, wird bei jedem der Eheleute/Geschiedenen und für jeden getrennt eine Bilanz der Vermögenswerte aus der Differenz zwischen Endvermögen und Anfangsvermögen erstellt und ermittelt, wie hoch sein/ihr wirtschaftlicher Gewinn während der Ehezeit war, vgl. auch Zugewinnausgleich.

Selbstverständlich ist es für jeden der Beteiligten günstiger, wenn der Zugewinn gering ist.

Wenn einer der Beteiligten in seiner Bilanz z.B. ein Unternehmen , eine freiberufliche Praxis oder einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, dann hat die bisherige Rechtsprechung schon die Steuern, die im Falle der Veräußerung anfallen würden, als Abzugsposten vom Wert des Unternehmens, der Praxis oder des landwirtschaftlichen Betriebes anerkannt. Bei der Veräußerung fällt nämlich für den Unternehmer, Arzt, Anwalt, Grafiker, Landwirt, etc. eine Ertragssteuer an. Die ist nicht unerheblich und muss berücksichtigt werden.

Neu ist, dass der BGH jetzt auch Ertragssteuern die bei anderen Vermögenswerten anfallen als Abzugsposten akzeptiert. Das sind z.B. Grundstücke, Wertpapiere oder Lebensversicherungen. Immer, wenn diese Vermögenswerte im Rahmen des Zugewinns auftauchen, ist die latente Steuerlast zu berücksichtigen und auszurechnen. Und zwar sowohl im Anfangsvermögen als auch im Endvermögen.

Dabei kann es z.B. den Effekt geben, dass auf die Veräußerung von Wertpapieren die vor dem 1.1.2009 angeschafft wurden keine Ertragssteuer zu zahlen wäre, das Anfangsvermögen also möglicherweise hoch bleibt. Wenn jetzt durch Umschichtung des Depots nach dem 1.1.2009 neue Aktien gekauft wurden und alte verkauft wurden, dann kann für die neuen Aktien jetzt die Ertragsteuer abgezogen werden. Das kann den Effekt haben, dass obwohl der Gesamtwert des Depots gestiegen ist, sich durch den Abzug der Ertragssteuer ein Verlust ergibt.