Zugewinnausgleich

Die meisten Eheleute leben im gesetzlichen Güterstand und haben daher die sogenannte Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet, dass bei einer Scheidung geprüft werden muss, ob der Zugewinn der einzelnen Ehegatten untereinander aufgeteilt werden muss. Dazu wird grob gesagt geprüft, wer zwischen Heirat ( Stichtag für das Anfangsvermögen ) und Zustellung des Scheidungsantrags ( Stichtag für das Endvermögen )  wieviel an Vermögen dazu erworben hat. Das wird für jeden der Ehepartner getrennt geprüft. Wer mehr erwirtschaftet hat muss den Überschuss teilen und an den anderen Ehepartner durch Zahlung ausgleichen, dann haben beide rechnerisch den gleichen Zugewinn aus der Ehe gezogen.

Auch wenn einer der Eheleute bei der Heirat Schulden hatte und diese jetzt nicht mehr hat, hat Vermögen erwirtschaftet, weil er eben diese Schulden nicht mehr hat.

Merke: Es wird der Zugewinn ausgeglichen.

Was heißt Vermögen?

Kurz gesagt alles, was Geld wert ist auf der Habenseite, also z.B. Bankguthaben, Immobilien, Bargeld, Bausparguthaben, Zeitwert der Lebensversicherungen ( wenn es keine Rentenversicherung ist ), Wertpapiere, Antiquitäten, Kunstwerke, Autos, aber auch z.B. Forderungen die man gegenüber Dritten hat, also z.B. wenn man noch eine Mietkaution bekommt etc., etc.

Auf der Sollseite stehen z.B. Darlehenschulden, Forderungen die Dritte gegen einen haben, latente Steuern etc., etc.

Daher ist es auch gerecht, dass Erbschaften und Schenkungen von den Eltern des einen Ehegatten nicht in den Zugewinnausgleich hineinfallen. Diese werden fiktiv dem Anfangsvermögen hinzugerechnet.

Dieser Zugewinnausgleich erfolgt im Falle der Scheidung nicht automatisch, sondern nur auf Antrag.

Wichtig: Viele meinen, sie leben in Gütergemeinschaft, weil „uns eh alles gemeinsam gehört“. Das ist ein großer Irrtum. Der Güterstand der Gütergemeinschaft muss in einem notariellen Vertrag vereinbart werden. Alle, die das nicht gemacht haben, leben in der Zugewinngemeinschaft.

Bei der Zugewinngemeinschaft bleibt jeder Eigentümer seines Vermögens. Es wird NICHT automatisch gemeinsames Vermögen!

Das gilt auch für die Schulden: Jeder haftet für seine Schulden ALLEIN! Es sei denn natürlich, sie haben ein Darlehen gemeinsam aufgenommen.